Gestern Abend wurde ich belehrt. Ich, und meine Generation der unter 30-Jährigen, sind Schuld an der starken Veränderung der Medienlandschaft. Wir, weil wir die Zeit im Bild 2 nicht mehr schauen. Überspitzt formuliert war dies der Inhalt der ersten Vorlesung von Armin Wolf.
Im Sommersemester 2012 hat der bekannteste österreichische Nachrichtenmoderator die Theodor-Herzl-Dozentur des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaften der Universität Wien übernommen. In drei Vorlesungen referiert Armin Wolf zum Thema „Poesie des Journalismus“.
Dass er unter diesem Titel vortragen soll, habe ihm Angst gemacht, erzählt Wolf in seiner Einleitung. Aber er hat in seiner ersten Vorlesung knapp 1.000 ZuhörerInnen bewiesen, dass er das Zeug zum charismatischen Universitätsprofessor hat.
Der Anchorman der ZiB2 begeisterte mit Zahlen und Fakten aus internationalen Studien zur Mediennutzung, erklärte das dogmatische Riepl’sche Gesetz der Kommunikationswissenschaft als „Schwachsinn“ und beschrieb seine ZuhörerInnen als „digital natives“, „millenials“, „generation Y“ und „three screen generation“. Er plädierte für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als hochaktuelles Medium, der (vielleicht als Einziger) dem Anspruch dieser Generation, „news as a basic social service“, gerecht werden kann. Er verdeutlichte die Vormachtstellung des Internets, welches die Tageszeitungen massiv bedrohe, dem Fernsehen aber erst langsam nachkomme.
Journalisten sollen und müssen laut Wolf aus diesen Veränderungen lernen. Denn der Journalismus bleibt ein Handwerk und eine Dienstleistung am Publikum, im Idealfall sogar an der Gesellschaft.
Quellenübersicht der ersten Vorlesung: http://is.gd/Herzl_VO1
Informationen zu den weiteren Vorlesungen: http://www.univie.ac.at/publizistik/HerzlWolf12.pdf


